Gedanken zur Architektur
| Über Atmosphäre | Sinnlichkeit und Kontraste | Über das Regionale | Über Ästhetik | Über den Ort | |||||
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Bildhaft-schön - atmosphärische Architektur, Atelier Lüps, 2010 Download PDF Buchtext |
Solange quantitative, materielle und administrative Anforderungen alle unsere Kräfte absorbieren und unsere Umwelt uns mit äußerlichen Reizen überfrachtet, bleibt das Sinnliche, die Poesie, also die Schönheit auf der Strecke. Dahin sind Verzauberung und Erstaunen Qualitäten, die kaum noch erkannt, geschweige denn für notwendig empfunden werden. |
Das überwiegende Potential von Heimat sind die
Menschen und ihre geistigen Produkte, das Materielle und die Geographie
spielen eine eher untergeordnete Rolle.
Kann man Heimat bauen? Bauten sind geistige
Konstrukte. Die oft beschworene Bayerische Baukultur beispielsweise wurde
nicht von Bayern geschaffen, sondern von Preußen,
Italienern, Graubündnern, Tschechen, Franzosen, allenfalls von regionalen
Schülern, die im Ausland an den dortigen
Stilrichtungen ausgebildet wurden. Fremde Einflüsse befördern also regionale
Bauprozesse.
"Schöpft ein Entwurf alleine aus dem Bestand und der Tradition, wiederholt er das, was sein Ort ihm vorgibt, fehlt mir die Auseinandersetzung mit der Welt, fehlt mir die Ausstrahlung des Zeitgenössischen. Erzählt ein Stück Architektur nur Weltläufiges und Visionäres, ohne ihren konkreten Ort zum Mitschwingen zu bringen, vermisse ich die sinnliche Verankerung des Bauwerkes an seinem Ort, das spezifische Gewischt des Lokalen." Peter Zumthor |
Es zeugt schon von hoher Wertschätzung, wenn wir ein Gebäude als ästhetisch einstufen: Die Raster stimmen, die Fassaden sind harmonisch, das Haus drängt sich nicht in den Vordergrund, die Schlichtheit beeindruckt, die bescheidene Zurückhaltung wird anerkannt. Die Attribute klassisch, zurückhaltend, vornehm zeugen von Bildung und Disziplin. Sie sagen jedoch nichts aus zur Seele, zur Wärme, zur Echtheit oder Atmosphäre. Der Charakter des Architekten bleibt anonym. Die Aussage des Ortes bleibt wage. Nur ein Teil guter Architektur nährt sich aus der Ästhetik. Wir sollten Antworten finden auf Fragen, die uns jenseits der Ästhetik, darüber hinaus gestellt werden, also zur Seele, Wärme, Atmosphäre, Echtheit, Wahrhaftigkeit von Gebäuden. Erst da fängt für mich die Kunst des Bauens an. Diese Ebene zu erreichen ist nicht leicht. | Bekanntlich ist die genaue Analyse der Stelle an der ein Haus errichtet werden soll, eine Quelle für Vorstellungen und Ideen. Ein Ort hat Geschichte, Naturschönheit, soziale Verflechtung, Nachbarbebauung, Vegetation, Bauvorschriften usw. oder von alle dem gar nichts - wir nennen das dann Unort. Wir habend zunehmend weniger Möglichkeiten an schönen oder günstigen Orten zu bauen. Gerade der Unort bedeutet eine besondere Herausforderung, Qualitäten für den Nutzer und für den Ort durch Architektur herauszuarbeiten. Es kann ein ökologisches und wirtschaftliches Potential, wenn es gelingt einen Unort in einen Ort mit Aufenthaltsqualitäten oder ihn mit Signifikanz auszustatten. | |||||


